Neubau Kindertagesstätte Stutzwinkel (Wettbewerb)












veröffentlicht: August 15, 2019



Der Bauplatz des Kindergartens bildet den Schnittpunkt diverser städtebaulicher Situationen. Zum einen liegt der Bauplatz zwischen gewachsener Einfamilienhausstruktur im Norden und einer streng orthogonal angelegten Neubausiedlung im Süden. Zum anderen gilt es den Höhenunterschied der dreigeschossigen Baukörper im Westen und der ebenerdigen Platzsituation im Osten in Einklang zu bringen. Einzelne Kuben – in ihren Dimensionen stimmig zur umliegenden Bebauung – bilden einen Cluster und fügen sich optisch in das bestehende Stadtgefüge ein. Angepasst an die geplante Bebauung stufen sich die Bestandteile des Clusters harmonisch nach Osten hin ab. Die zentrale Lage des Zuganges erlaubt eine Durchsicht auf der Ost-West-Achse vom geschützen Vorplatz aus durch das Foyer und die Mehrzweckhalle hinaus in den Garten. Betritt man das Gebäude öffnet sich dieses sowohl in seiner Breite, als auch in der Höhe durch die Doppelgeschossigkeit des Foyers und der Mehrzweckhalle. Ein geräumiger Spielflur kreuzt die Laufrichtung und definiert subtil die aufgelösten Raumkanten. Dieser bildet die Nord-Süd-Achse, deren Enden sich beidseitig erst im Garten zu verlaufen scheinen. An den jeweiligen Enden des Flures finden sich die Kindergartengruppen in einzelnen Kuben wieder. Ein mittig liegender Versorgungskörper komplettiert die Einheit und schafft durch seine abgerückte Lage Platz für die Garderobe der Kinder. In jeder Kindergartengruppe findet sich neben dem zweiseitig belichteten Gruppenraum, ein zuschaltbarer Intensivraum und eine erhöhte Spielfläche wieder. Hier finden die Kinder Rückzugsmöglichkeiten in einer Höhle oder auf dem Plateau und es wird ihnen die Möglichkeit geboten die Küchenzeile auf altersgerechter Höhe mit zu benutzen. Der gedeckte Außenbereich schützt vor Sonne und Regen und schafft einen sanften Übergang ins Freie. Farblich hält sich der Entwurf bewusst zurück und akzentuiert lediglich mit natürlich verwendeten Materialien und ruhigen Farben. Abgesehen von den großen Fensteröffnungen, welche die Natur wie großformatige Bilder ins Innere holen, überlässt der Entwurf die weitere Gestalung der Kreativität der Kinder, ihren farbenfrohen Basteleien und bunten Bildern, ihrer Persönlichkeit und Individualität. Um den verschiedenen Verehrsteilnehmern einen höchstmöglichen Grad an Sicherheit bieten zu können und gleichzeitig einen städtebaulichen Mehrwert zu schaffen, wird hier eine Begegnungszone nach dem Vorbild des niederländischen „Woonerf“ angedacht. Ein homogener Platz, gesäumt mit Bäumen und vereinzelten Parkflächen lässt auf den ersten Blick seine Multifunktionalität nicht weiter vermuten. Gerade aber diese Reduziertheit – vor allem das Weglassen der Fahrbahnmarkierungen – trägt enorm zu einer erhöhten Sicherheit bei. Die Aneignung einer eigenen Fahrspur ist nicht möglich, wodurch automatisch die Geschwindigkeit reduziert und gleichzeitig die Aufmerksamkeit erhöht wird. Klare Kanten an den Rändern und gewollte Brüche der linearen Zufahrtswege weisen die ankommenden Verkehrsteilnehmern auf die neue Situation hin. Bei einer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h bewegen sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer frei und rücksichtsvoll auf dem Platz. Der langsamere Verkehrsteilnehmer hat immer Vorrang. Wird der Platz morgendlich noch von Bringdiensten dominiert, öffnet sich dieser ab dem Nachmittag – und ganztags am Wochenende – den AnwohnerInnen der Umgebung für ihre Freizeitaktivitäten. Schulkinder und Jugendliche finden hier ein altersgerechtes Pendant zum öffentlichen Spielplatz.